Bericht des Vorstandes für die Mitgliederversammlung am 14. April 2005 an der Katholischen Fachhochschule Freiburg

 

 

Projekt Für die Zukunft lernen 2004 – Planung Projekt 2005

 

Das jährlich durchgeführte Projekt in Auschwitz, das im vergangenen Jahr vom 26.05. bis 04.06.04 stattfand, war ein sehr anstrengendes, aber auch lohnendes Projekt. Die Gruppe war sehr heterogen besetzt. So waren neben den männlichen Jugendlichen aus dem Christophorus-Jugendwerk auch zwei weibliche Jugendliche und ein männlicher Jugendlicher aus Rostock, die dort ein Gymnasium besuchen, am Projekt beteiligt. Von der Fachhochschule waren drei Studierende beteiligt. Die Leitung des Projektes hatten Frau Margit Mai und Herr Henry Lehmann. Die unterschiedliche Ausgangsbasis der Teilnehmer und Teilnehmerinnen, das unterschiedliche Erleben von Auschwitz, die manchmal fast anstößigen Verhaltensweisen der Jugendlichen aus Oberrimsingen, sind in der erstellten Projektdokumentation recht deutlich geworden.

 

Der Präsident des Deutschen Bundestages, Herr Wolfgang Thierse, der zugleich auch unserem Beirat angehört, ist in einem Brief an uns der Frage nachgegangen, ob solche Projekte, gerade für sozial benachteiligte Jugendliche Sinn machen. Er kommt zu folgendem Ergebnis: ADie Erfahrungsberichte zeigen, dass es in der Gruppe Spannungen gegeben hat, die nicht immer zu lösen waren. Es wird aber sehr deutlich, dass der Besuch der ehemaligen Konzentrationslager, die Führungen durch polnische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte und die Gespräche mit Zeitzeugen einen tiefen Eindruck bei allen Jugendlichen hinterlassen haben. Viele beschreiben, dass sie mitfühlen können, einige haben betont, dass sie sich auch schämen, für das , was Deutsche Polen angetan haben, sie sind aber auch erleichtert, weil die Konfrontation dann doch nicht so schlimm wurde, wie sie befürchteten.

Andererseits macht mich nachdenklich, dass offenbar de gewünschte Erfolg bei den Jugendlichen, die mit der rechtsextremen Szene sympathisieren, nicht eingetreten ist. Es bleibt meines Erachtens die Frage, ob es Sinn macht, mit Jugendlichen – die auch nicht immer das nötige Feingefühl zeigen – diese Seminare durchzuführen. Eine abschließende Meinung habe ich mir darüber nicht gebildet, und ich halte es weiterhin für wichtig, wenn Jugendliche ganz unterschiedlicher Prägung und mit sehr verschiedenen Bildungsgraden gemeinsam nach Auschwitz fahren und erfahren, was damals in den Konzentrationslagern an Brutalität und Grausamkeit passiert ist.

Ich möchte also den „Verein zur Erhaltung der Kinderbaracke Auschwitz Birkenau e.V.“ ermutigen, diese schwierigen Seminare weiterhin durchzuführen und auch weiterhin solche Projektdokumentationen anzufertigen. Sie zeigen, wie junge Leute, die keine persönlichen Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus und den Holocaust haben, mit authentischen Orten und mit Zeitzeugen umgehen. Das ist ungeheuer wichtig zu erfahren, das wir ja darüber nachdenken müssen, wie die Erinnerungsarbeit in den nächsten Jahren insbesondere mit der jungen Generation aussehen soll.“ 

 

Auch wir sind immer wieder verunsichert, ob wir diese Projektarbeit weiterführen sollen und kommen letztlich zum gleichen Ergebnis wie es Wolfgang Thierse hier zum Ausdruck gebracht hat.

 

Anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz hat unser Beiratsmitglied, Prof. Dr. Micha Brumlik, der Badischen Zeitung ein Interview gegeben, in dem auch er die Wichtigkeit dieser Projektarbeit betont hat.

In diesem Jahr wird das Projekt „Für die Zukunft lernen“ vom 18.05. bis 27.05.05 stattfinden. Es werden voraussichtlich 20 Personen an dem Projekt teilnehmen.

 

Herr Santo, Geschäftsführer von Baden-Auto geehrt

Seit mehr als 10 Jahren wird unsere Projektarbeit von der Firma Baden-Auto durch die kostenlose zur Verfügungsstellung eines Kleinbusses unterstützt. Anlässlich der alljährlichen Jubiläumsfeier des Christophorus-Jugendwerks wurde Herr Santo vom Diözesancaritasverband Freiburg für dieses Engagement ausgezeichnet. Im kommenden Jahr ist daran gedacht auch Lehrlinge der Firma Baden-Auto an dem Projekt zu beteiligen.  

 

Landeslehrpreis für Werner Nickolai

Der Landeslehrpreis, der vom Wissenschaftsministerium verliehen wird, soll Unterrichtsleistungen auszeichnen, „die geeignet sind, Studium, Prüfungen und Lehre unmittelbar zu verbessern“. Das Projekt „Für die Zukunft lernen“ wird an der Fachhochschule als Kompaktseminar, das in Auschwitz durchgeführt wird, angeboten. Studierende haben so die Möglichkeit, Grundfähigkeiten in der Sozialen Arbeit im direkten Umgang mit dem zukünftigen Klientel zu erwerben.

Der Landeslehrpreis ist nicht nur eine Auszeichnung meiner Person. Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Christophorus-Jugendwerk konzipiert und in den folgenden Jahren immer weiter ausdifferenziert. Die Auszeichnung gilt also allen, die bislang sich am Projekt beteiligt haben. Hier darf ich insbesondere Frau Margit Mai nennen, die an nahezu allen Projekten in verantwortlicher Position beteiligt war. Zu nennen sind hier auch die Freunde aus Rostock, die als zuverlässiger Partner sich über mehr als 10 Jahre mit einbringen.

 

Klinsmann unterstützt weiterhin den Sportverein Unia Oswiecim

Im Rahmen des letzt jährigen Projektes konnte durch Vermittlung von Jürgen Klinsmann dem Sportverein Unia Oswiecim drei komplette Sätze Fußballtrikots überreicht werden. Die Trikots wurden von der Firma Puma, der Firma Saller und der Firma JAKO gespendet. Gegenüber der Badischen Zeitung hat Klinsmann in einem Interview betont, dass er Sportbegegnungen zwischen polnischen und deutschen Jugendlichen weiterhin unterstützen wird. 

 

Buchprojekt – „Man darf sie nie vergessen – Die jüngsten Opfer von Auschwitz“

Wie schon mehrfach berichtet, hat unser Verein, nachdem die Restaurierung der Kinderbaracke abgeschlossen ist, sich die Aufgabe gestellt, die KZ-Gedenkstätte Auschwitz bei der Herausgabe eines zweibändigen Buches mit dem Titel „Man darf sie nie vergessen – Die jüngsten Opfer von Auschwitz“ zu unterstützen. Wir sind damit die Verpflichtung eingegangen ca. 40.000 €uro aufzubringen. Im Jahre 2002 konnten wir einen ersten Betrag in Höhe von €uro 7.000 übergeben. Anlässlich des letzt jährigen Projekts konnte Frau Mai einen weiteren Scheck in Höhe von €uro 5.000 übergeben. Dieser Betrag wurde beinah ausschließlich von Breisacher Firmen zur Verfügung gestellt.

 

Kunstauktion am 24.04. im Schloss Rimsingen

In der Einladung zur Mitgliederversammlung haben wir schon auf die geplante Kunstauktion im Rimsinger Schloss hingewiesen. Die dort erzielten Einnahmen dienen ebenfalls der Finanzierung des oben genannten Buches. Mit Unterstützung der Breisacher Künstler Frau Goldammer, Herr Lutz und Herr Nahor haben wir ca. 100 Künstler der Region gebeten uns ein Kunstwerk zur Verfügung zu stellen, das dann am 24.04. zur Versteigerung kommen soll. 48 Exponate können nun an diesem Tag der Öffentlichkeit vorgestellt werden und kommen zur Versteigerung. Wir hoffen nun sehr auf eine große Resonanz. Ich darf den Breisacher Künstlern für ihre Unterstützung recht herzlich danken. An dieser Stelle danke ich auch schon jetzt den Künstlern, die uns mit ihren Kunstobjekten unterstützen. Ein Dank auch an meine Kollegin, Frau Cornelia Kricheldorff und an Norbert Scheiwe, die sich hier sehr stark engagieren.

An dieser Stelle will ich auch unserem Beiratsvorsitzenden Herrn Wilfried Telkämper recht herzlich für die Unterstützung danken. Dank für Unterstützung  gilt ebenfalls dem Förderverein „Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach“ Frau Christiane Walesch-Schneller und Herrn Rechtsanwalt Ulrich Gruler. 

 

Intensivierung der Jugendbegegnung zwischen der Stadt Breisach und Oswiecim

Auf Anregung des Breisacher Gemeinderates hat die Stadt Breisach beschlossen, die Schirmherrschaft über die Begegnung zwischen Jugendlichen aus Breisach mit Jugendlichen aus Oswiecim zu übernehmen. Seitens der Stadt Oswiecim wurde die Schirmherrschaft von dem dortigen Stadtpräsident übernommen. In den Pfingstferien wird nun eine kleine Delegation aus Breisach nach Oswiecim fahren, um den Jugendaustausch auf feste Beine zu stellen. Der erste Beigeordnete der Stadt Breisach, Herr Oliver Rein, sieht die Stadt mit der Zusage zur Schirmherrschaft auch darin verpflichtet, diesen Austausch finanziell zu unterstützen.

 

Fotoausstellung „Hinsehen – Junge Menschen sehen Auschwitz

Unser Verein beteiligte sich mit der Fotoausstellung „Hinsehen – Junge Menschen sehen Auschwitz“ an den Aktionstagen „Wider das Vergessen“, die anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, vom 27.01 bis 30.01. in Gottenheim und Bötzingen von dem dortigen Jugendpfleger initiiert wurde. Der gleichnamige Bildband zur Ausstellung ist zwischenzeitlich vergriffen. Da der Band aber immer wieder nachgefragt wird, überlegen wir derzeit im Vorstand, ob wir eine Neuauflage machen. Wir suchen derzeit eine Druckerei, die uns hier unter die Arme greift. Das Ganze soll ja möglichst wenig bis gar nichts kosten.

 

Neue Vereinsmitglieder

Neue Vereinsmitglieder wurden:

 

Unser Verein wurde Mitglied im Verein „Erinnern und Lernen“.

 

Danke

 

Abschließend möchte ich mich bei meinen Vorstandskollegen, bei unseren Beisitzern und Beiräten für die ausgezeichnete Zusammenarbeit bedanken. Mein besonderer Dank gilt der Katholischen Fachhochschule, hier vertreten durch unseren Rektor Prof. Dr. Christoph Steinebach und dem Christophorus-Jugendwerk hier vertreten durch Rektor Norbert Scheiwe. Ohne Unterstützung durch diese beiden Institutionen könnte unser Verein sein vielfältiges Engagement nicht entfalten.