Die Kinderbaracke in Auschwitz-Birkenau

 

 

 

 

Foto
Antje Hohdorf

 

 

 

 

Auszüge aus dem Bericht von Frau Eulalia Kurdej, ehemaliger weiblicher Häftling des KL Auschwitz Nr. 84351*

 

Nach Auschwitz brachte man uns am 12. August 1944. Der Zug blieb auf der Station stehen und das von einem Eisenbahner ausgesprochene Wort "Oswiecim" löste eine erste Panik aus. Man war empört, wofür man uns denn gerade hierher gebracht hatte. Es begann Wehgeschrei und Weinen. Mit Erleichterung nahmen wir wahr, daß der Zug weiterfuhr und die Station Oswiecim hinter sich ließ. Doch dauerte diese Fahrt nicht lange. Wiederum hielt der Zug an, die Riegel klirrten und unter dem Gebrüll "raus! raus!" begann das Ausladen. Es war Nacht, auf der Rampe bewegten sich SS-Männer und ringsherum leuchteten Lampen. Gestoßen von den Gehenden, behütete ich meine Brüder. Auf diese Weise befand ich mich in Birkenau. (...) Mich führte man mit meinen Brüdern in einen Abschnitt, doch kamen wir nicht in die Baracke hinein. Den Rest der Nacht verbrachten wir im Freien. Niemand zählte uns, niemand registrierte uns. Nach zwei Tagen begann man unsere Namen aufzuschreiben. (...) Aus dem Bad führte man uns ins Frauenlager. Als sich die Tore hinter uns schlossen, auf dem Weg zwischen Abschnitt B I a und B I b versuchte man die Kinder von den Müttern zu trennen. (...) Bei einem der Appelle trennt man die Mütter von den Kindern und befahl den älteren Mädchen und den Knaben herauszutreten. Man nahm sie aus unserer Baracke. Die Mütter blieben in Baracke 17 und wir kamen nach Baracke 16. In diesem Block befanden sich ausschließlich Kinder im Alter von 2 - 14 Jahren, Knaben und Mädchen, die Knaben nur bis zu neun Jahren. Dort waren ca. 800 Kinder. (...) Einige Tage nach unserer Überstellung nach Block 16 wurde ich von meinen Brüdern getrennt. Man nahm sie zusammen mit dreißig anderen Knaben im gleichen Alter in eine mir damals unbekannte Richtung. Ich blieb alleine, allein mit meinen Gedanken und Sorgen um das Schicksal meiner Brüder, mit denen ich jeglichen Kontakt verlor. Ich wußte nicht, wo sie waren, ob sie am Leben sind. Erst nach drei Monaten erhielt ich einen Kassiber vom Jüngsten, der schon schreiben konnte. Er ließ mich wissen, daß sie am Leben seien, daß Waldek im Revier sei und er selbst alleine. (...) Die in Baracke 16 des Frauenlagers weilenden Kinder waren nicht ohne Fürsorge. Nach Möglichkeit sorgten für uns sowohl weibliche als auch männliche Häftlinge. Zu den liebsten Erinnerungen aus jener Zeit möchte ich die schöne, uneigennützige Geste eines unbekannten Häftlings zählen. Wahrscheinlich war dies ein Jude. Ich glaube, er besserte etwas in unserer Baracke aus, denn einmal malte er uns an den beiden gegenüberliegenden inneren Seiten der Box eine Malerei, die ein Schule darstellte, mit der Unterschrift "Schule" und auf der anderen Seite Spielsachen. (...)


Letzte Änderung: 2. Mai 2000