Sehr geehrter Herr Stadtpräsident, sehr geehrte Mandatsträgerinnen und Mandatsträger der Stadt Oswiecim, verehrter Vorstand, verehrte Mitglieder von Zasole Unia Oswiecim
Es ist für mich eine sehr große Ehre, gemeinsam mit dem ehemaligen polnischen Nationalspieler Jan Furtok, die Ehrenmitgliedschaft von Zasole Unia Oswiecim zu erhalten und von Ihrer Stadt mit der Bürgermedaille ausgezeichnet zu werden.
Als Mitglied im Beirat des Vereins "Für die Zukunft lernen – Verein zur Erhaltung der Kinderbaracke Auschwitz Birkenau ev.", dem auch der Direktor der Internationalen Jugendbegegnungsstätte, Herr Leszek Szuster und die stellvertretende Direktorin der KZ-Gedenkstätte Auschwitz, Frau Krystyna Oleksy angehören, war es für mich selbstverständlich, die Schirmherrschaft für die internationale Fußballbegegnung zwischen den Jugendmannschaften des FC Rimsingen und des Unia Oswiecim, heute "Zasole Unia Oswiecim", zu übernehmen. Nicht zuletzt sind auch meine Erfahrungen in Deutschland mit der Auseinandersetzung um den jugendlichen Rechtsextremismus und Holliganismus in den Bundesligastadien für dieses Engagement ausschlaggebend gewesen.
Fußballpartnerschaften zwischen deutschen und polnischen Vereinen dürften eher selten sein. Schon allein deshalb sind solche Partnerschaften unterstützungswürdig. Die nun seit fünf Jahren bestehende Partnerschaft zwischen dem FC Rimsingen und Zasole Unia Oswiecim hat zweifellos einen besonderen Stellenwert.
Mir ist bewusst, dass der Ort der Begegnung – Auschwitz – der Welt zum Symbol geworden ist, zum Symbol für das düsterste Kapitel deutscher Geschichte. Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind im dortigen Konzentrationslager in der NS-Zeit grausam zu Tode gekommen.
Die Fußballspiele in Polen und noch vielmehr in Auschwitz konfrontieren alle Beteiligten mit unserer nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Konfrontation mit der Geschichte habe ich als Spieler der Deutschen Nationalmannschaft bei Länderspielen in Polen wie auch in Israel erlebt. Beide Begegnungen waren und sind für unsere Völkerverständigung von unschätzbarem Wert.
In den Fußballbegegnungen in Oswiecim und Rimsingen, zwischen einer polnischen und deutschen Jugendmannschaft, sehe ich einen weiteren wichtigen Schritt in unserer Völkerverständigung.
In den internationalen Jugendbegegnungen sehe ich eine Basis, sich gegen Ausländerfeindlichkeit zu wappnen. Ausländerfeindlichkeit entsteht zuvorderst aus fehlenden Erfahrungen mit Ausländern und speist sich deshalb vorwiegend aus Vorurteilen. Sport und insbesondere der Fußballsport, der eine internationale Sprache spricht, der eine Verständigung möglich macht, ohne die fremde Sprache zu beherrschen, ist hervorragend geeignet, sich zu begegnen und kennenzulernen. Internationale Begegnungen können die Basis sein, um Fremdenfeindlichkeit abzubauen, in dem die Beteiligten sich gegenseitig kennen und schätzen lernen.
Aus den Berichten, die ich über die jeweiligen Begegnungen in den letzten fünf Jahren erhalten habe, ist mir aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt der Sportbegegnung deutlich geworden. Wenn ich das Anliegen der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz richtig deute, so ist ihr daran gelegen, dass sich die meist jugendlichen Besucher nicht nur mit der KZ-Gedenkstätte auseinandersetzen, sondern sich auch auf die Stadt Oswiecim, auf seine Bevölkerung, auf seine Jugend einlassen. Diesem Anliegen, das ich nachhaltig unterstütze, werden diese Sportbegegnungen gerecht.
Ich danke den Vertretern der Stadt Oswiecim und Zasole Unia Oswiecim wie auch dem FC – Rimsingen, dass es gelungen ist, zwischen den beiden Jugendabteilungen eine tragfähige Beziehung herzustellen. Ich danke aber auch der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz und dem Verein "Für die Zukunft lernen – Verein zur Erhaltung der Kinderbaracke Auschwitz-Birkenau e.V.", die diese Verbindung ermöglicht haben und weiterhin unterstützen.
Ich wünsche mir abschließend, dass diese Partnerschaft noch viele Jahre besteht und verspreche, meinen Teil hierfür weiterhin beizutragen.
Jürgen Klinsmann