Badische Zeitung vom Mittwoch, 2. November 2005

Kunstauktion für Auschwitz-Buch
Künstler stellen für Versteigerung 80 Werke zur Verfügung



Von KNA-Mitarbeiterin Andrea Steinhart

BREISACH. Es herrscht reger Betrieb im Christophorus-Jugendwerk in Oberrimsingen. Etliche Bilder, gut eingewickelt in Folie, stapeln sich an Wänden. Kisten und Kartons mit Kunstwerken türmen sich daneben. Absender dieser außergewöhnlichen Zustellungen sind 80 namhafte Künstler aus der Region Freiburg. Ihre Kunstwerke kommen jetzt unter den Hammer. Dadurch helfen sie mit, dass ein zweiter Band über die Auschwitz-Kinder gedruckt werden kann.

Dies ist eine Idee der Organisation „Für die Zukunft lernen – Verein zur Erhaltung der Kinderbaracke Auschwitz-Birkenau“, die ihren Sitz im Christophorus-Jugendwerk hat. Das Jugendwerk, ein Heim für männliche Jugendliche, ist in Trägerschaft des Freiburger Diözesan-Caritasverbandes und der Katholischen Fachhochschule Freiburg.

Seit 1993 kümmert sich der Verein in Zusammenarbeit mit der Museumsleitung der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau um die Restaurierung der Kinderbaracke. Immer wieder fuhren in den vergangenen Jahren sozial benachteiligte sowie politisch rechtsgerichtete Jugendliche, die im Christophorus-Jugendwerk in Oberrimsingen untergebracht sind, im Rahmen von Projekten nach Auschwitz, um sich dort mit der Geschichte vertraut zu machen.

„Und sie schufteten, beispielsweise beim Unkrauthacken auf der Lagerstraße in Birkenau“, erzählt Margit Mai, Projektleiterin im Jugendwerk.

Seit 1998 ist die Kinderbaracke fertig restauriert. Der Verein hat sich an den Arbeiten mit über 80000 Euro beteiligt. Unterstützung erhält der Verein auch von namhaften Persönlichkeiten, wie etwa vom ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse, vom Ehrenpräsidenten des Deutschen Caritasverbands, Georg Hüssler, oder vom Bundestrainer der Fußballnationalmannschaft, Jürgen Klinsmann.

Ein weiteres Projekt ist nun die Herausgabe eines zweibändigen Albums zum Thema „Kinder und Jugendliche in Auschwitz“. Der erste Band mit über 380 Seiten und mit dem Titel „Man darf sie nicht vergessen – Die jüngsten Opfer von Auschwitz“ ist mittlerweile erschienen. Der zweite Band soll demnächst folgen. Inhalt der Alben sind über 760 Fotografien und Dokumente, hauptsächlich aus der Zeit des Krieges.

230000 bis 240000 Kinder und Jugendliche wurden von den Nationalsozialisten sofort nach Ankunft in den Gaskammern ermordet. Sie wurden nie zu Häftlingen, sie wurden nicht fotografiert. Deswegen stellte das Zusammentragen des Dokumentationsmaterials große Schwierigkeiten dar. Besonders aussagekräftig sind dabei die Dokumentationsbilder, die von SS-Ärzten während der an Kindern vorgenommenen Experimente aufgenommen wurden.

Autorin des zweibändigen Albums ist Helena Kubica, Historikerin und Mitarbeiterin der Gedenkstätte in Auschwitz. Damit der Druck des zweiten Bandes vorankommt, braucht der Verein noch rund 22000 Euro.

„Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“: Über 80 Kunstwerke werden nun am Sonntag in der Spitalkirche in Breisach versteigert. „Die Künstler haben sich bei der Auswahl ihrer Werke besondere Mühe gegeben“, sagt Mai. Viele Künstler sind der Anfrage nach Kunstwerken gefolgt und haben ein breites Spektrum unterschiedlicher Arbeiten dem Verein zur Verfügung gestellt. Eine Vernissage im Vorfeld der Kunstauktion findet am Samstagabend ab 19 Uhr in der ehemaligen Spitalkirche in Breisach statt. Die Kunstauktion selbst ist dann am Sonntag, 6. November, von 15 bis 18 Uhr in der Spitalkirche.